Birne Morettini

Ähnlich wie beim Apfel hat sich bei den Birnen keine dominierende Frühsorte vor Williams herauskristallisieren können. Aufgrund der jeweils kurzen Genussreifezeit ist auch der Handel mit Frühsorten nicht ganz einfach….. Dennoch macht es halt Spass, die ersten frischen Birnen zu geniessen. Auch passen sie mit ihrer Saftigkeit ja ausgezeichnet ins Genussprofil des Sommers.

Gerade weil sich hier keine Klassiker herausgebildet haben, hat in diesem Erntebereich doch die eine oder andere neuere Sorte eine Chance, während im Lagerberich fast ausschliesslich Sorten aus dem 19. Jahrhundert den Markt dominieren.

  • Herkunft: In den 30er Jahren durch Professore Morettini in Florenz gezüchtet. Morettini ist übrigens in Italien DER grosse Obstzüchter des 20. Jahrhunderts
  • Baum:langtriebiger Baum, neigt wie viele Frühsorten zur Alternanz, nicht in Frostlagen pflanzen
  • Ertezeit: Ende Juli bis Mitte August
  • Genussreife: bis Anfang September
  • Frucht:schön birnenförmig , mittelgross, ganz leichter roter Hauch
  • Geschmack: weisses, saftig-schmelzendes Fruchtfleisch mit wunderbarem, leicht parfümiertem Aroma, ein Freude, in diese frühe Genuss-Birne zu beissen. Aber die Italiener wussten halt schon immer, was gut schmeckt….
Advertisements

Birne Limonera (Dr. Jules Guyot)

Während es bei den Äpfeln doch einige Sorten neueren Datums gibt, stammt fast das gesamte  Birnensortiment aus dem 19. Jarhhundert. Da beschäftigten sich vornehmlich  Pfarrer, Pastoren, Ärzte und teilweise auch Adelige mit der edlen Kunst der Birnenzüchtung – und haben so fast unser gesamtes heutiges Sortiment geschaffen. Übrigens gab es eine ähnliche Situation bei den Stachelbeeren, die im späteren 19. Jahrhundert speziell en vogue waren und von denen buchstäblich Hunderte von Sorten gezüchtet wurden

Vielfach wurden dann die Sorten nach den Züchtern und deren Bekannten benannt: so auch die Birnen-Sommersorte Dr. Jules Guyot, die zu Ehren eines bekannten Arztes und Phyikers getauft wurde, der sich in seinen Schriften vor allem um den französichen Weinbau verdient gemacht hatte (siehe Wikipedia)

  • Herkunft: 1875 in Troyes, Frankreich entstanden
  • Baum: eher einfacher, gut garnierender Baum
  • Frucht: klein bis mittel, typisch birnenförmig, hellgrün bis gelb, leicht berostet, mit leichtem rotem Hauch, interessanterweise bei der Baumreife sehr fest und dadurch für eine Sommerbirne gut transportierbar
  • Ernte: bei uns: ca Mitte Augsust, in Südeuropa schon im Juli, deshalb sind vielfach die Dr. Jules Guypot die ersten frischerntigen europäischen Birnen, die wieder auf dem Markt angeboten werden
  • Geschmack: sehr süss, mit etwas Säure, angenehm und saftig

Und wie kam es zum Namen? Urteilen Sie selbst: Würden sie eher eine Limonera oder eher eine Dr. Jules Guyot kaufen?

Eine kurze Anleitung zum langen Fruchtgenuss

Früchte essen wir gerne gedankenlos – und das ist auch in Ordnung so. Würden wir obligatorisch bei jedem Fruchtverzehr ein Ritual veranstalten, Gedanken ‚verschwenden‘, so würden wir wohl bald an Vitaminmangel zugrunde gehen. Es ist also durchaus in Ordnung, Früchte einfach schnell mal zwischendurch zu essen – ohne viel dabei zu denken.

Aber ebenso selbstverständlich ist der umgekehrte Fall auch erlaubt, ja von Zeit zu Zeit auch durchaus zu empfehlen: Ganz bewusst und langsam und rituell und sehend und fühlend und schmeckend und schmatzend eine Frucht zu geniessen.

Hier also eine kurze Anleitung zum langen Fruchtgenuss:

1. Sehen Sie die Frucht an, von allen Seiten, essen Sie mit dem Auge.

2. Fühlen Sie die Frucht, fahren Sie mit dem Finger über die Frucht, fühlen Sie die Textur der Oberfläche, Testen Sie die Fruchthärte mit dem Fingerdruck.

3. Riechen Sie die Frucht, die Schale mit ihren grünfruchtigen Duftassoziationen, dann die ‚Fliege‘, mit ihren reiferen Düften. Gehen Sie Ihren Duft-Gedanken nach, an was erinnern sie Sie, was für Geschichten, Erinnerungen sind mit diesen Düften verbunden?

4. Pausieren Sie, nehmen Sie sich Zeit (Chefs bitte weglesen, das gilt natürlich alles nicht für die Firmen-Fruchtpause;-))

5. Schneiden Sie die Frucht auf, spüren Sie den Widerstand der Frucht, hören Sie das Schneidegeräusch. Wirkt die Frucht sehr fest, vielleicht unreif, oder offen-grobzellig, den Saft sofort freigebend?

6. Und wieder das Auge: Essen Sie mit dem Auge, sehen Sie die aufgeschnittene Fruchtfläche an. Sehen Sie schon den Saft der vom Schnitt verletzten Fruchtzellen? Wie ist die Farbe des Fruchtfleisches? Wie sieht (bei Kernobst) das Kerngehäuse aus, sind die Zellen fein oder grob? Was kann ich von dieser Frucht erwarten?

7. Und wieder : riechen Sie am frisch aufgeschnittenen Fruchtfleisch: Das Herz, der Körper des Geschmacks wird da für einige Minuten riechbar, Frucht als Duft.

8. Und nun der erste Biss: darauf haben Sie lange genug gewartet;-). Eine Offenbarung. Zuerst der Bisston, das Knacken des Bisses im Ohr. Die gesehene Textur des Fruchtfleisches wird nun direkt fühlbar. Fest oder weich, fein oder grobzellig? Dann der Saft, das Safterlebnis. Wie schnell wird er frei, viel oder wenig…..

9. Es folgen endlich: der Geschmack, das Aromarerlebnis: Mit dem freigewordenen Saft nehmen Sie vorne, rechts und links im vorderen Zungenbereich das Zucker-Säure-Verhältnis wahr. Der Saft wandert nach hinten, das Aroma wird breiter, lassen Sie sich nun auf Ihre Geschmacksassoziationen ein…. kauen Sie….langsam….schmatzen Sie…. schlucken Sie.

10. Nicht nur Schauspieler und Weine haben eine grossartigen Abgang, auch Früchte stehen dem in nichts nach: Atmen Sie nach dem Schlucken bewusst durch die Nase, langsam, gedankenschwer, genussbetrunken. Nehmen Sie so den Abgang des Aromas war. Dauert er lange oder endet er schnell. Ein intensives Geschmackserlebnis oder ein eher flüchtiges? Erinnerungen und Gedanken? Zeit. Fruchtzeit

Wie man Birnen richtig geniesst….

Die Birne erleidet leider neben dem Apfel ein Schattendasein. Bei vielen Konsumenten, vor allem auch jüngeren, gilt sie als veraltet, geschmacklich langweilig, grün uninteressant.

Ich persönlich halte die Birne für eine regelrechte Prinzessin unter den Baumfrüchten, eben gerade, weil sie den Genuss nicht ganz leicht macht, sich nicht so leicht erschliesst.

Wie man Birnen definitv nicht geniessen kann? Ich will ja niemanden beleidigen, aber Birnen sollte man nicht knackig essen. Knackig gehören sie allerhöchstens in den Fruchtsalat, wo sowieso ein Mischgeschmack herrscht….Nein im Ernst: Die Geschmäcker sind natürlich ebenso frei wie die Gedanken, aber mich persönlich grstau beim Gedanken an harte, knackige, holzige, grüne Birnen…..

Wie man Birnen richtig geniesst: Birnen sind klimakterische Früchte, die nachreifen, nachreifen müssen. Sie werden bei uns, bei Fruchtzeit hart aus dem Lager genommen und schon bei uns einige Tage nachgereift. Auch wenn sie bei Ihnen ankommen, sind sie noch knapp knackig, aber der Reifeprozess hat schon begonnen. Birnen in Ihrer Fruchtschale und in unserer Fruchtbox sind dann genussreif, wenn die Fruchtschale beim Daumendruck in der Stielgegend leicht nachgibt. Sie können dann damit rechnen, dass das Fruchfleisch zart schmelzend, aromatisch und saftig ist, mit allen Facetten des Birnenaromas von Vanille bis Muskat.. Beachten Sie, dass die Birnen von Innen her nachreifen, also in der Regel innen weicher sind als gerade unter der Fruchtschale.

Birne Boscs Flaschenbirne

In unserer Baumschule (www.lubera.ch) erhalten wir immer wieder Pflanzenbestellungen, die Boscs Flaschenbirne und Kaiser Alexander geliefert haben wollen. Nun ja, da müssen wir jeweils passen, weil es zwei Namen für ein und diesselbe Sorte sind….

Boscs ist die Hauptanbausorte in der Deutschen Schweiz und die braune Standartbirne auf dem Schweizer Markt. Auch im nicht speziell für Birnen geeigneten Klima (sorry, liebe Thurgauer) lassen sich mit Boscs wackere Erträge und akzeptable Qualitäten erzielen.

Boscs hat noch die Eigenheit, dass sie nicht auf die sonst bei Birnen standartmässige Quittenunterlage veredelt werden kann. Boscs ist damit nicht kompatibel (sozusagen der MAC undter den Birnen;-)). Für diese Sorte muss extra ein Zwischenstamm – meist Gellerts oder Conference – auf Quitte veredelt werden.

  • Herkunft: Frankreich, wie viele klassiche Birnensorten, als Zufallssämling 1793 in einem Wald gefunden. Übrigens stammen die meisten aktuellen Birnen-Hauptsorten aus dem 19. und 18. Jahrhundert
  • Baum: langtriebig, aber nicht so steil wie Conference
  • Ernte: Ende September
  • Genussreife: Im Naturlager bis Weihnachten, aus Kühllager bis in den Frühling
  • Frucht: flaschenförmig, berostet, rauhe Schale, Fruchtfleisch halbschmelzend

Birne Packhams Triumph

Wissen Sie, wie wir Packhams nannten, als wir diese auf einem Betrieb im Thurgau anbauten: Packhams Debakel! Packhams kann bei uns nur als Wandspalier oder in den besten Weinbaulagen angebaut werden und versagt an anderen Standorten völlig. Packhams ist denn auch in der Schweiz fast nur als Importfrucht verbreitet. Hier – meist aus der südlichen Hemisphäre stammend – zeigt er sich dann von seiner besten Seite und spielt auch seine aromatischen Vorteile – er erinnert sehr stark an seine Vatersorte Williams – voll aus. Im französischen wird Packhams denn auch vielfach Williams d’Automne genannt.

  • Herkunft: gezüchtet von C. H. Packhams un Molong, Australien, gelangte nach dem Krieg in die USA und nach Europa
  • Pflückreife: Ende September
  • Lager: bis ins Frühjahr
  • Frucht: breit, sehr unregelmässige, höckrige Oberfläche, aber schmelzendes Fruchtfleisch, erinnert im Aroma an Williams