Apfel Gravensteiner

Gravensteiner ist das Urgestein unter den Sommersorten – und ist vor allem in der Deutschschweiz fast ein Synonym  für Äpfel im Sommer.  Immer wieder gibt es auch Kunden, die noch im Oktober oder November Gravensteiner wünschen (die sind dann schon längst weg vom Markt, da überreif), weil für sie offenbar diese Sorte der Inbegriff des Apfels ist.

Was, ausser der Tradition, macht Gravensteiner so attrativ:

  • zunächst die fehlende Konkurrenz, bis vor 10 Jahren war Gavensteiner qualitativ die beste Augustsorte, ohne Diskussion. Unterdessen sind neue Sorten dazu gekommen, wie zB. Delbarestival odder Werdenberg, die degustativ eher besser sind und vor allem im süssen Bereich Gravensteiner ergänzen können
  • Dann die feste Textur, die beim Biss schnell den frischen Saft abgibt – ein gutes Esserlebnis
  • das frische, säurebetonte Aroma, dass natürlich gut in den Sommer passt

Nun aber zur Sortenbeschreibung;

  • Herkunft:Zufallssämling, gefunden in Dänemark, vom Grafen Ahlefeld zum Schloss Gravensteine in Schleswig Holstein gebracht, seit 1795 in der Produktion und im Handel
  • Wuchs, Baum: sehr stark wachsend, sparrig, langtriebig, ideal für Hochstämme, Spindelerziehung für Niederstämme eher schwierig, schwachwachsende Unterlagen benutzen; triploide Sorte, kann also andere Apfelsorten nicht befruchten, braucht selber aber einen Befruchter, tendiert zum Alternieren
  • Erntezeit: Mitte August
  • Essreife: bis Ende September
  • Frucht: mittel bis gross, eher flach gebaut, stark gerippt, manchmal asymmetrisch, grün gelb, mit roten Steifen und Einsprengseln, im Handel sind meist Gravensteiner-Varianten, die besser ausfärben (zB. Gravensteienr Rellstab). Der fast ganz rote Rote Gravensteiner hat leider ein eher schlechtes Shelf-life (obstdeutsch für : Haltbarkeit)  und ist daher kaum im Anbau.
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Apfel Discovery

Irgendwie hat jede Nation ihren ganz speziellen Apfelgeschmack. So auch England: Zuerst kommt hier Cox Orange, dann nochmals Cox, dann weitere Cox-artige Äpfel , dann Äpfel, die von Cox irgendwie abstammen und dann noch ganz spezielle Kochäpfel…

Nun kann man aufgrund dieser Vorliebe den Engländern beileibe keinen schlechten Geschmack vorwerfen, ganz im Gegenteil: Cox ist sicher einer der besten, aromareichsten Apfelklassiker. Leider aber bringt er im Anbau sehr viele Probleme mit sich: eher kleinfrüchtig, schwächere  Erträge, Krebsanfälligkeit, Schorfanfälligkeit.

Von alledem aber lassen sich die eigenwilligen Briten nicht stören und haben konsequenterweise auch eine Frühsorte in diesere Coxlinie entwickelt: Discovery. Denn schliesslich möchte ja der Brite das ganze Jahr über Chips and…. äh Cox essen….

  • Herkunft: 1962 in England auf den Markt gebracht
  • Wuchs: Schwach, der Baum neigt auch zur Alternanz
  • Erntezeit: Mitte August
  • Genussreife: Bis ende September
  • Frucht: klein bis mittel, flach gebaut, hellrote Deckfarbe verwaschen und gestreift, viele Lentizellen
  • Geschmack: die festeste und knackigste aller bekannten konventionellen Frühsorten, Aroma süss-säuerlich ausgeglichen, harmonisch

Apfel Primerouge

HMM. Frage: Essen Japaner überhaupt Äpfel? Antwort: Sie müssen wohl, denn diese Sorte wurde in Japan gezüchtet.

Nein im Ernst: Die Fruchtkultur im allgemeinen und auch die Apfelkultur im speziellen sind in Japan ganz anders ausgeprägt als bei uns. Der Apfel ist eine Delikatesse, jede einzelne Frucht wird mit höchster Sorgfalt und Ehrfurcht behandelt. Viele Äpfel werden eigens noch am Baum ‚eingesackt‘, um gewünschte Farbeffekte auf der Schale zu erzielen. Der japanische Apfelgeschmack ist dabei sehr süss, wie man auch an Fuji, der anderen bekannteren japanischen Sorte sieht. Apfel müssen in Japan süss sein, wenn sie einen Markt finden wollen; dies haben auch die wichtigsten Apfelimporterue in Japan, allen voran Neuseeland, bei der Auswahl der geeigneten Exportsorten zu berücksichtigen.

  • Herkunft: In Morioko, Japan 1970 gezüchtet
  • Wuchs: schwach, wenig verzeigt, verkahlend
  • Pflückreife: Mitte August
  • Essreife: bis Ende September
  • Frucht: mittelgross, flach gebaut, 80% dunkelrot gefärbt, Stielgrube berostet
  • Geschmack: süss und saftig, noch kein ausgeprägtes Aroma, dennoch überascht bei einer Frühsorte diese Süssigkeit

Apfel Summerred

Bis heute hat sich im Sommerbereich keine Apfelsorte als Favorit oder Hauptsorte durchsetzen können. Dies hat für die Konsumenten den Vorteil, dass sie aus einer Vielzahl von Sorten auswählen können.

Eine dieser Frühsorten ist Summerred, die seit ca 25 jahren bei uns angebaut wird, aber sich nie gegen den Klassiker Gravensteiner, der allerdings etwas später reift, durchsetzen konnte.

  • Herkunft: Summerland, eine Forschungsanstalt in Kanada, selektioniert von K.O. Lapins 1996.
  • Wuchs: gut verzweigender, langtriebiger Baum, leider etwas anfällig für Schorf
  • Pflückreife: Mitte August
  • Genussreife: bis Mitte September
  • Frucht: Hochgebaut, ca 60% rot gefärbt, sehr schön, auffällig sind die deutlich gezeichneten Lentizellen
  • Geschmack: festes weiss-grünliches Fruchtfleisch, feinzellig, säuerlich-erfrischend

Apfel Retina

Manchmal darf man ja auch ein wenig stolz sein.

Also: Ich bin stolz darauf, dass ich vor knapp 20 Jarhen als erster auf breiter Front neue schorfresistente Sorten in die Schweiz eingeführt und auch den Anbau im Hausgarten und im Erwerbsanbau propagiert habe!

Eine der ersten und auch besten Sorten, die ich dabei einführte, war Retina. Sie wurde in der ehemaligen DDR von Prof Christa Fischer gezüchtet, die ich persönlich kenne und sehr schätze und von der ich sehr viel über Apfelzüchtung gelernt habe!

Wie kam die DDR dazu, gute neue und erst noch schorfresistente Äpfel zu züchten? werden Sie nun fragen… Nun ja, wenn es schon keine Zitrusfrüchte gibt, muss man halt alles daran setzen, das eigene Volk wenigstens mit genügend Äpfeln versorgen zu können…. Und wenn Devisen für Pflanzenschutzmittel fehlen, muss man halt resistente Sorten züchten….

 Aber ein weitere Faktor war für die Erfolge der Obstzüchter in den ehemaligen Oststaaten noch viel wichtiger: Sie waren – aus der Not eine Tugend machend – eher ‚Produktentwickler‘ als feine reine Wissenschaftler und konzentrierten sich auf die Züchtung neuer und guter Sorten, während sich der westliche Wissenschafts- und Forschungsbetrieb immer mehr von diesem primären Ziel enfernte und ‚reine‘ Wissenschaft betrieb: Papiere produzierte, Methoden erforschte und sich gentechnisch verlustierte. Nur: Brauchbare Sorten kamen ganz selben dabei raus….

Wie gesagt: Ganz anders war das in den ehemaligen Oststaaten, und Retina ist ein gutes Beispiel dafür.

Die wunderschöne, hochgebaute frühe Apfesorte wird leicht vor Gravensteiner reif, ist sehr fest und hat ein ausgeglichenes Zucker-Säureverhältnis. Wenn sie reif ist, erntwickelt Retina ein volles Bananenaroma, wird dann aber auch relativ schnell weich. Wie alle Frühsorten muss Retina sofort nach der Ernte vermarktet und auch gegessen werden.

Und selbstveständlich ist Retina speziell auch für den Anbau im Hausgarten interessant: Retina-Apfelbäumchen finden Sie hier bie Lubera

Schorf – der Apfelfeind Nr 1

Kennen Sie die schwarzen Flecken auf den Äpfeln? Manchmal mehrere nebeneinander, so dass richtige korkige Nekrosen entstehen?

Sie kenne das nicht? Dann untescheidet Sie das von früheren Generationen, bei denen solche verkorkten Äpfel ganz normal waren, zum Apfel gehörten….Innen war der Apfel meist noch geniessbar, und die Ansprüche waren halt insgesamt lange nicht so hoch wie heute…..

Der Grund für diese Verkorkungen ist der Schorfpilz, der grösste Feind des Apfels. Leidergottes kommt ihm unser Klima sehr entgegen: Er kann bei unseren gemässigten Wintern ausgezeichnet im Laub überleben und etabliert sich dank der vielen Niederschläge sehr schnell auf dem Apfelbaum (wie die meisten Pilzkrankheiten kann sich der Schorfpilz nur bei relativ warmem Wetter und bei feuchtem Blatt/ bei feuchter Frucht festsetzen)

Manchmal wird vermutet, dass sogenannte ‚alte‘ Sorten grundsätzlich widerstandsfähiger gegen den Schorfpilz waren. Dies trifft aber nicht zu, es gibt bei den alten Sorten und bei den neuen Sorten unterschiedliche Anfälligkeiten  – verändert hat sich gegenüber früher nur die Toleranz der Apfelesser gegenüber ‚Flecken‘ auf den Äpfeln….

Was unternimmt nun der Obstbau, was unternehmen die Fruchtzeit-Anbauer gegen den Schorfpilz, um tadelloses Obst liefern zu können? – Erstens werden – wenn möglich  – eher tolerantere Sorten angebaut. Zweitens werden Witterung und Klima über Klimacomputer  genau verfolgt und es wird erst gegen Schorf gespritzt, wenn die Bedingungen für eine Schorfinfektion gegeben sind und wenn auch Pilzsporen vorhanden sind. Ziel: Möglichst wenige und möglichst gezielte Spritzeinsätze. Drittens arbeitet die Züchtung (zB. auch der Schwesterfirma von Fruchtzeit, der Lubera AG) mit Hochdruck an schorfresistenten Sorten. Diese sind auf breiter Front für den Hausgarten verfügbar und werden in zunehmendem Masse, aber leider noch zu zögerlich, auch im Erwerbsanbau (biologisch und konventionell) genutzt.

Wir von Fruchtzeit werden versuchen, Ihnen immer auch mal solche schorfresistente neuere Apfelsorten in der Mixbox und in der Maxibos anzubieten und sind dann auch interessiert an Ihrem Feedback

Eine kurze Anleitung zum langen Fruchtgenuss

Früchte essen wir gerne gedankenlos – und das ist auch in Ordnung so. Würden wir obligatorisch bei jedem Fruchtverzehr ein Ritual veranstalten, Gedanken ‚verschwenden‘, so würden wir wohl bald an Vitaminmangel zugrunde gehen. Es ist also durchaus in Ordnung, Früchte einfach schnell mal zwischendurch zu essen – ohne viel dabei zu denken.

Aber ebenso selbstverständlich ist der umgekehrte Fall auch erlaubt, ja von Zeit zu Zeit auch durchaus zu empfehlen: Ganz bewusst und langsam und rituell und sehend und fühlend und schmeckend und schmatzend eine Frucht zu geniessen.

Hier also eine kurze Anleitung zum langen Fruchtgenuss:

1. Sehen Sie die Frucht an, von allen Seiten, essen Sie mit dem Auge.

2. Fühlen Sie die Frucht, fahren Sie mit dem Finger über die Frucht, fühlen Sie die Textur der Oberfläche, Testen Sie die Fruchthärte mit dem Fingerdruck.

3. Riechen Sie die Frucht, die Schale mit ihren grünfruchtigen Duftassoziationen, dann die ‚Fliege‘, mit ihren reiferen Düften. Gehen Sie Ihren Duft-Gedanken nach, an was erinnern sie Sie, was für Geschichten, Erinnerungen sind mit diesen Düften verbunden?

4. Pausieren Sie, nehmen Sie sich Zeit (Chefs bitte weglesen, das gilt natürlich alles nicht für die Firmen-Fruchtpause;-))

5. Schneiden Sie die Frucht auf, spüren Sie den Widerstand der Frucht, hören Sie das Schneidegeräusch. Wirkt die Frucht sehr fest, vielleicht unreif, oder offen-grobzellig, den Saft sofort freigebend?

6. Und wieder das Auge: Essen Sie mit dem Auge, sehen Sie die aufgeschnittene Fruchtfläche an. Sehen Sie schon den Saft der vom Schnitt verletzten Fruchtzellen? Wie ist die Farbe des Fruchtfleisches? Wie sieht (bei Kernobst) das Kerngehäuse aus, sind die Zellen fein oder grob? Was kann ich von dieser Frucht erwarten?

7. Und wieder : riechen Sie am frisch aufgeschnittenen Fruchtfleisch: Das Herz, der Körper des Geschmacks wird da für einige Minuten riechbar, Frucht als Duft.

8. Und nun der erste Biss: darauf haben Sie lange genug gewartet;-). Eine Offenbarung. Zuerst der Bisston, das Knacken des Bisses im Ohr. Die gesehene Textur des Fruchtfleisches wird nun direkt fühlbar. Fest oder weich, fein oder grobzellig? Dann der Saft, das Safterlebnis. Wie schnell wird er frei, viel oder wenig…..

9. Es folgen endlich: der Geschmack, das Aromarerlebnis: Mit dem freigewordenen Saft nehmen Sie vorne, rechts und links im vorderen Zungenbereich das Zucker-Säure-Verhältnis wahr. Der Saft wandert nach hinten, das Aroma wird breiter, lassen Sie sich nun auf Ihre Geschmacksassoziationen ein…. kauen Sie….langsam….schmatzen Sie…. schlucken Sie.

10. Nicht nur Schauspieler und Weine haben eine grossartigen Abgang, auch Früchte stehen dem in nichts nach: Atmen Sie nach dem Schlucken bewusst durch die Nase, langsam, gedankenschwer, genussbetrunken. Nehmen Sie so den Abgang des Aromas war. Dauert er lange oder endet er schnell. Ein intensives Geschmackserlebnis oder ein eher flüchtiges? Erinnerungen und Gedanken? Zeit. Fruchtzeit